Wildfleisch & Radioaktivität: Zeit für einen Fakten-Check

AKW Zwentendorf Control | ur Wild.

Wer an Wildfleisch denkt, hat oft Bilder von urigen Wäldern und gesundem Genuss im Kopf. Doch manchmal schwingt eine leise Sorge mit: „War da nicht mal was mit Tschernobyl?“

Wir bei ur Wild. räumen mit alten Mythen auf. Ja, das Thema Strahlenbelastung existiert, aber die Fakten sehen heute ganz anders aus, als viele vermuten. Schauen wir uns an, was wirklich in unseren Wäldern (und auf den Tellern) los ist.

Das Erbe von Tschernobyl: Warum nur bestimmte Regionen?

Nach dem Reaktorunglück 1986 gelangte radioaktives Cäsium-137 durch Regen in die Böden. Doch der Wald ist ein komplexes Ökosystem. Während die Belastung auf landwirtschaftlichen Flächen durch Pflügen und Kalken schnell sank, bleibt Cäsium in den obersten, humusreichen Waldschichten länger gebunden.

Besonders betroffen sind in Österreich Regionen wie das Kobernaußerwald-Gebiet, das Mühlviertel oder die Welser Heide, in denen es damals stark geregnet hat. In vielen anderen Gebieten ist die Belastung hingegen kaum noch messbar.

Der „Trüffel-Effekt“: Warum Wildschweine eine Ausnahme sind

Vielleicht habt ihr gehört, dass Wildschweine oft höhere Werte aufweisen als Rehe oder Hirsche. Das liegt an ihrem Speiseplan.

  • Rehe & Hirsche: Fressen Gräser, Blätter und Kräuter. Hier ist die Belastung seit Jahren massiv gesunken und liegt fast immer weit unter den Grenzwerten.

  • Wildschweine: Sie lieben die Hirschtrüffel. Dieser Pilz wächst unterirdisch und speichert Cäsium wie ein Schwamm. Da Wildschweine diese Delikatesse aus dem Boden wühlen, nehmen sie mehr Radioaktivität auf als andere Wildtiere.

Das „Wildschwein-Paradoxon“ gelöst

Interessanterweise sanken die Werte bei Wildschweinen langsamer als erwartet. Die Wissenschaft hat nun herausgefunden, dass neben Tschernobyl auch noch Rückstände von oberirdischen Atomwaffentests aus den 1950er und 60er Jahren eine Rolle spielen. Diese sickern erst jetzt so richtig in die tiefen Bodenschichten vor, in denen die Hirschtrüffel wachsen.

Wie sicher ist der Genuss heute?

Hier kommt die Entwarnung für alle Feinschmecker:

  1. Strenge Kontrollen: Wildfleisch, das in den Handel gelangt, unterliegt strengen Grenzwerten (600 Becquerel pro Kilogramm). Fleisch, das darüber liegt, darf schlichtweg nicht verkauft werden.

  2. Geringer Verzehr: Die durchschnittliche Belastung durch Wildfleisch ist im Vergleich zur natürlichen Hintergrundstrahlung, der wir täglich ausgesetzt sind, minimal. Wer nicht täglich mehrere Kilo hochbelastetes Wildschwein aus einem Risikogebiet isst, setzt sich keinem Risiko aus.

  3. Transparenz: Die Behörden in Österreich überwachen die Wildbestände und Pilze laufend. Die Daten zeigen: Der Großteil unseres Wildfleischs ist absolut unbedenklich.

Fazit: Naturgenuss mit gutem Gewissen

Das Image von „strahlendem Wild“ gehört in die Mottenkiste der 80er Jahre. Durch die Kombination aus biologischer Vielfalt, artgerechtem Leben in Freiheit und strengen Kontrollen ist Wildfleisch heute eines der sichersten und hochwertigsten Lebensmittel, die wir genießen können.

Quellen

  • Sozialministerium Österreich: „Radioaktivität in Wildpilzen und Wildfleisch aus Österreich”. Sozialministerium Österreich

  • Science.ORF.at: „„Wildschwein-Paradoxon“ gelöst“. Science.ORF.at

  • Pirsch.de: „Radioaktivität: So sicher ist Wildfleisch“. Pirsch.de

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